Energieeffizienz: Die Kommunen sind gefordert

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Zur Begrüßung gab es gleich mal Lob für Stuttgart. „Dass Stuttgart der MIPIM treu geblieben ist,“ sagte Günther Oettinger zur Einleitung, „und jetzt deutlich über ein Jahrzehnt regelmäßig teilnimmt, das ist bestimmt auch eine der Grundlagen des Erfolgs unserer Landeshauptstadt im Konzert der großen deutschen Städte.“

Da es entgegen der Wettervorhersage abendsonnig und mild war, hatten wir den Vortrag kurzerhand und energieeffizient auf die Terrasse verlegt. Denn der Vortragstitel des EU-Kommissars lautete passend “Energieeffizienz – die Rolle der Stadt in der Energiepolitik Europas”.

Energieeffizienz heiße nicht nur Strom sparen, sondern vor allem das Realisieren eines intelligenten Mix. Die ganzheitliche Entwicklung von Gebäuden dürfe sich aber nicht nur auf Neubauten beziehen. Eine riesige Reserve für die Energieeffizienz sei im Bestand zu sehen. „Hier liegt übrigens eine tolle Chance für die deutsche Ingenieurs- und Industriekompetenz,“ betonte Oettinger, „denn wenn wir uns mit Verfahren profilieren, wie am Besten ältere Gebäude energetisch und nachhaltig modernisiert werden, dann ist dies ein weiterer Bereich, mit dem wir international punkten und unserem Ruf entsprechen können: Die Deutschen haben Lösungen für alle aktuellen technischen Probleme.“

„Sensibilität für die Energieeffizienz entsteht dort, wo man Energie teuer bezahlen muss. Die Unterschiede zwischen den europäischen Staaten und den anderen, die scheinbar Energie im Überfluss besitzen, zeigen das überdeutlich.“ Oettinger sieht allerdings die Möglichkeiten, rein marktwirtschaftlich das Energiesparen forcieren zu wollen, also über die stetige Anhebung des Preises, als eng begrenzt an. Intelligentere Lösungen seien gefragt, denn sonst seien auch negative Auswirkungen für die Wirtschaft wahrscheinlich.

Solche intelligenten Lösungen seien beispielsweise Konzepte wie smart grid und smart meter. Letztere versetzen einen mitdenkenden Verbraucher in die Lage, den Strom dann zu nutzen, wenn er preiswert ist. Denn zahlreiche Haushaltsgeräte müssen nicht zwingend dann in Betrieb sein, wenn die Industrie gleichzeitig ihre Nutzungsspitzen abruft. „Glauben Sie mir, die Wäsche wird nachts um zwei genauso sauber wie vormittags um neun.“

„Der größte Gebäudeeigentümer,“ rief Oettinger in Erinnerung, „sind kumuliert gesehen die Kommunen. Auch deshalb ist die Modernisierung im Bestand so wichtig. Und die Gemeinden dürfen sich nicht dagegen sträuben, sich auf gemeinsame Einsparziele zu verpflichten. Das Ziel, jährlich 3% Strom in öffentlichen Gebäuden einzusparen, darf nicht als zu teuer abgelehnt werden. Denn die Verbraucher könnten dies als Hinweis empfinden, Energieeffizienz lohne sich nicht. Und das wäre fatal.“