Die Zukunft der Urbanität

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In seinem Eröffnungsvortrag “Nachhaltigkeit – von der Sprechblase zur Realität” zeigte sich der Stuttgarter OB Fritz Kuhn davon überzeugt, dass eine Stadt wie Stuttgart „alles auf die Karte Innovation setzen“ müsse. „Immerhin sind bei uns in der Region 4 Prozent der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung tätig, während es im Bundesdurchschnitt nur 1 Prozent sind.“ Trotz der wichtigen großen Unternehmen („alles in der ersten Liga“) dürfe man den Vorteil nicht unterschätzen, dass 98% der Unternehmen in der Region Stuttgart weniger als 100 Mitarbeiter hätten – der Mittelstand als ein wichtiger Garant für Flexibilität und Innovation.

„Mehr als die Hälfte der Stuttgarter Fläche ist Natur, also Wald, Landwirtschaft oder Parks. Dazu kommt die Tatsache, dass wir schuldenfrei sind und einen Grünen OB haben – wenn das nicht beste Standortfaktoren sind?“ Aber OB Kuhn stellte auch drei schmerzliche Mängel fest: „Wir haben zuwenig bezahlbaren Wohnraum, der Autoverkehr bringt uns zu viele Staus, zu viel Lärm und zu viel Feinstaub in die Stadt und die Energiewende steckt bei uns erst in den Kinderschuhen.“ Deshalb sei für ihn oberstes Ziel, dass auch bei energetischer Sanierung der Wohnraum bezahlbar bleibe. Das Programm SIM, das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell werde fortgesetzt. Ein ebenfalls wichtiges Gebot der Urbanität sei die soziale Durchmischung.

„Alle großen neuen Projekte,“ betonte Kuhn, „müssen immer energieplus sein, also mehr Energie produzieren als sie verbrauchen. Ich weiß, dass dies für Investoren und Bauherren eine Herausforderung ist, aber ich weiß auch, dass wir künftig als Stadt nur erfolgreich sind, wenn wir der langfristigen Wertsteigerung den Vorzug vor der  schnellen Rendite geben.“

„Sie kennen die Stuttgarter als streitbares Völkchen,“ schloss Kuhn seinen Vortrag, „aber das ist eben der Unterschied zwischen Berlin und Stuttgart. In Berlin wird gestritten, weil schlecht gebaut wurde. Wir streiten lieber vorher – damit gut gebaut wird.“